Terra Preta

Wissen, das Früchte trägt – Der Kreislauf vom Essen zum Essen

Hochbeete_MU

Wer macht das?

Hannes Popken:
Master „Sustainability Society and the evironment“
Student, Aktivist und Idealist mit dem Schwerpunkt alternative Sanitärsysteme/Komposttoiletten

Daniel Müller:
Urban Gardening Aktivist, Idealist, Stadtimker, Permakulturist, Vorstand ALTE MU Impuls – Werk e. V.

Haiko Pieplow:
Terra Preta Aktivist der ersten Stunde in Deutschland, Autor, Idealist und Profi

Was machen wir?

Wir gestalten am ersten Februarwochenende den ersten Teil einer interaktiven Worksho­preihe zu Terra Preta und Bokashi Kompost an der ALTEN MU in Kiel. Wir starten am Frei­tag, den 5.2.2016, um 19.00 Uhr mit einer Filmvorführung von „Undune“ (Trailer unter: http://www.undune.de/de/undune-der-film), darauf folgt eine Diskussions- und Fragenrun­de, in der Ihr uns und unserem Experten Haiko Pieplow alle Fragen stellen könnt.

Am folgenden Samstag starten wir um 10.00 Uhr: Aktivist, Idealist und Profi Haiko Pieplow entführt in seinem Vortrag „Terra Preta: Wissen, das Früchte trägt – Der Kreislauf vom Es­sen zum Essen“ in die Welt der Terra Preta do Indio. Er zeigt auf wie wir mit einfachen Mit­teln den durchbrochenen Kreislauf wieder schließen können und aus „Abfällen“ fruchtbare Erde entsteht.

Anschließend stellen wir mit einem Kon – Tiki – Meiler, mittels Pyrolyse, selbst Pflanzen­kohle her, lernen die Bokashi Herstellung aus Küchenabfällen und legen mit den gewonne­nen Substraten einen Terra Preta Kistengarten an. Darüber hinaus werden die vielfältigen weiteren Anwendungsmöglichkeiten in anschaulichen Praxisbeispielen besprochen. Im Fo­kus stehen hier insbesondere die potentiellen Anwendungen im Urban Gardning.

Hintergrund: Was ist Terra Preta?

TP-Anleitung-Kistengarten
© Ayumi Matsuzaka

Nie mehr düngen, keine Gentechnik und dabei noch das Klima retten. Das klingt wie ein Traum für jede Gärtner*in und Hobbyfarmer*in. Mit der Terra Preta do Indio, die Wundererde aus dem Amazonas, soll dieser Traum Wirklichkeit werden. Die Terra Preta ist die fruchtbarste Erde der Welt. Leider blieb das Wissen um die humusreichen Böden aus den tropischen Regenwäldern des Amazonas lange verloren. Doch dank vieler unermüdli­cher Forscher*innen kennen wir heute ihren Ursprung: Jahrhundertelang versetzten die Menschen in der Amazonasregion ihre organischen Abfälle einschließlich ihrer Fäkalien mit Pflanzenkohle und fermentierten sie unter Luftabschluss. Nach der Fermentation überlie­ßen sie es den Regenwürmern, die Abfälle zu Erde zu verarbeiten. So schufen sie dauer­haft einen der fruchtbarsten Böden der Welt. Mit wenigen Handgriffen und der richtigen Technik kann jeder diese Erde ganz einfach Zuhause herstellen.

Warum ist das wichtig?

ALTEMU_Innenhof_Waermefalle_15.06.2015

Bodendegradation ist ein globales Problem. Es ist zwar kein Neuzeitliches Problem, aber die Urbanisierung, industrielle Landwirtschaft und unsere konsumorientierte Lebensweise haben zu einer verstärkten Degradierung der Böden geführt, die für uns eine zentrale Le­bensgrundlage darstellen. Ohne fruchtbaren Boden gibt es keine Lebensmittel. Auf die Frage wie wir in Zukunft auf dieses Problem reagieren sollen, kann Terra Preta eine Ant­wort geben. Die mystische, anthropogen erzeugte Erde aus dem Amazonas wertet ausge­laugte Böden auf. Terra Preta erhöht die Speicherfähigkeit für Feuchtigkeit, den Nährstoff­gehalt, die Durchlüftung und die physikalische Zusammensetzung (Porenstruktur und Krümelfähigkeit) des Erdbodens. Alles was dazu benötigt wird sind Küchenabfälle, Holzkohle und (wahlweise) menschliche Fäka­lien. Und das Beste ist, das Ganze funktioniert ohne künstliche Dünger oder Gentechnik. Jeder Hobbygärtner kann im Kleinen und ganz einfach seine eigene Terra Preta herstel­len.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Langzeitspeicherung von CO² im Boden. Das geschieht vor allem durch die Verwendung von Pflanzenkohle. Werden pflanzliche Rest­stoffe mittels Pyrolyse (Siehe hierzu: http://www.ithaka-journal.net/kon-tiki-die-demokratisierung-der-pflanzenkohleproduktion) verkohlt verwandeln sich 25 bis 50 Prozent nicht in das Treibhaus­gas CO² sondern in stabile, schwer abbaubare, porenreiche Pflanzenkohle. Die­se ist mikrobiell kaum abbaubar und der enthaltende Kohlenstoff (Pflanzenkohle besteht aus bis zu 95 Prozent Kohlenstoff) wird so jahrhundertelang dem Kohlenstoffkreislauf ent­zogen. Darin liegt ein enormes Potential: Moderne Pyrolyseanlagen sind imstande der Luft mit jedem Kilogramm Kohlenstoff in der erzeugten Pflanzenkohle rund 3,6 Kilogramm CO² zu entziehen. Ein Boden mit einem Humusgehalt von einem Prozent und einer Fläche von 100 m² speichert rund 0,3 Tonnen Kohlenstoff, was etwa einer Tonne CO² entspricht. Je­des weitere Prozent Humus im Boden speichert folglich eine weitere Tonne. Was das al­lein für die landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland oder auch nur die Fläche der Kleingärten bedeutet, ist sehr leicht auszurechnen.

Unsere Ziele

Wir wollen mit unserem praktischen Ansatz einen weiteren kleinen Schritt für die Bewußt­machung der oben genannten Entwicklungen gehen. Die Selbsterfahrung im praktischen Prozess und das erlangte Wissen können zu gewissen Verhaltensänderungen im Alltag der Teilnehmer und deren sozialer Kreise führen. Die sehr einfache Herangehensweise er­öffnet einen niedrigschwelligen Zugang und führt schnell zu positiven Resultaten. Erfolgreich und sinnstiftend Gärtnern ist einfacher als die meisten denken!

Das halten wir für zentral um gemeinsam der zunehmenden Entfremdung von zutiefst natürlichen Prozessen entgegenzuwirken. Die Sichtbarmachung des Kreislaufes in Verbindung mit Riechen, Fühlen und Schmecken sti­muliert die Motivation, wirkt nachhaltig und regt zum Selbermachen an. Das fügt sich wun­derbar in das Konzept des ALTE MU – Impulswerk ein.

Die MU – Dynamik

Ein Prozess aus Lernen, Wissen, Handeln und Weitergeben
„Nachhaltigkeit“ – viele können es nicht mehr hören, weil nicht klar ist, was eigentlich er­zielt werden soll. Zu schwammig, Zu oft miss­braucht, zu selten „schöne Aussichten“!

Dennoch ist Nachhaltigkeit und nachhaltiges Handeln die zentrale Begrifflichkeit für eine zukunftsträchtige Lebensweise. Nachhaltig­keit ist ein Hinterfragen vom Ist-Zustand, eine Weiterentwicklung & Veränderung in den eigenen Strukturen. Es geht darum Verantwort­ung zu übernehmen, mutig zu sein – schöne Aussichten zu schaffen!

Die Alte Mu versteht sich in diesem Sinne als Kreislauf von „vier gleichwertigen Impulsgeb­ern“: Sozialem, Ökologischem, Ökono­mischen und Kulturellem. Aus jedem die­ser Bereiche benötigt es Impulse für eine zu­kunftsfähige, nachhaltig handelnde Gesell­schaft. Es geht darum voneinander zu lernen, sein Wissen weiterzugeben und zum Woh­le der Gesamtheit zu handeln. Dabei gilt es die bestmögliche Transparenz über sämtliche Aktivi­täten zu geben.